Fahren

Zum ersten Mal Campervan fahren

Weißes Wohnmobil auf einer kurvigen Landstraße durch grüne Hügel

Bevor du den Motor startest

Nimm dir vor der Abfahrt an der Vermietstation zehn Minuten Zeit auf dem Fahrersitz. Stell Sitz und Lenkrad ein und richte dann beide Außenspiegel so aus, dass du am inneren Rand gerade noch die Seite des Vans siehst und im restlichen Spiegel die Spur neben dir. Bei vielen Campervans ist der Innenspiegel nutzlos, weil der Wohnbereich die Sicht nach hinten versperrt – die Außenspiegel übernehmen also die ganze Arbeit. Falls es eine Rückfahrkamera gibt, lass dir zeigen, wie du sie einschaltest.

Schreib dir anschließend Höhe, Breite und Länge des Vans auf einen Klebezettel und kleb ihn ans Armaturenbrett. Diese Maße brauchst du bei Parkhäusern, Brücken, engen Gassen und Fähren.

Zwei Punkte solltest du vorab außerdem klären: Mit dem Pkw-Führerschein (Klasse B) darfst du Fahrzeuge bis 3.500 kg zulässige Gesamtmasse fahren. Schwerere Wohnmobile brauchen in der Regel die Klasse C1 – ältere Führerscheine können mehr abdecken, prüf das im Zweifel vorher. Und viele deutsche Städte haben Umweltzonen, in die du nur mit grüner Umweltplakette fahren darfst. Mietfahrzeuge haben normalerweise eine; wirf trotzdem einen kurzen Blick auf die Windschutzscheibe, ob sie wirklich klebt.

Die Maße: Höhe, Breite und Länge

Die Höhe ist das Maß, das Neulinge am häufigsten unterschätzen. Höhenbegrenzungen an Parkplätzen, niedrige Brücken, überhängende Äste, Tankstellendächer und Drive-in-Spuren gehören zu den typischen Schadensquellen – und Schäden am Dach sind in Mietversicherungen häufig ausgeschlossen. Wenn ein Schild eine Höhe knapp über deiner eigenen anzeigt, versuch es gar nicht erst.

Die Breite spielt auf schmalen Straßen und in Straßen mit parkenden Autos eine Rolle. Schau weiter voraus als im Auto und fahr frühzeitig rechts ran, wo Platz ist, um den Gegenverkehr vorbeizulassen. Die Länge merkst du vor allem beim Abbiegen: Die Hinterräder fahren eine engere Linie als die Vorderräder, hol in Kurven also etwas weiter aus, damit du nicht über den Bordstein fährst.

Was sich anders anfühlt

  • Höhere Sitzposition
  • Längerer Bremsweg
  • Aufbau neigt sich in Kurven und bei Wind
  • Größerer Wendekreis

Was hilft

  • Mehr Abstand zum Vordermann
  • Langsamer in Kurven hineinfahren
  • Bei Wind beide Hände ans Lenkrad
  • An Kreuzungen weiter ausholen

Bremsen, Steigungen und Wind

Ein beladener Campervan wiegt deutlich mehr als ein Pkw und braucht deshalb länger zum Abbremsen. Halte mehr Abstand zum Fahrzeug vor dir und brems früher und sanfter, als du es gewohnt bist. Auf langen Gefällstrecken schaltest du in einen niedrigeren Gang, damit der Motor beim Bremsen mithilft und die Bremsen nicht überhitzen.

Hohe Vans mit glatten Seitenwänden sind außerdem anfällig für Seitenwind – besonders auf Brücken, freien Autobahnabschnitten und Küstenstraßen sowie beim Überholtwerden durch Lkw. Behalte beide Hände am Lenkrad, nimm Tempo raus und rechne mit einem leichten seitlichen Ruck, wenn du an Lücken zwischen Hügeln oder Gebäuden vorbeifährst. Für Fahrzeuge über 3,5 t gelten übrigens eigene Tempolimits.

Fahr so, als wäre der Van voller offener Schränke: sanft anfahren, früh bremsen, langsam in die Kurve.

Vor der Fahrt innen alles sichern

Mach vor jeder Fahrt einen kurzen Rundgang durch den Wohnbereich. Schließ Schränke und Schubladen, dreh das Gas ab, falls der Vermieter das empfiehlt, pack lose Dinge in eine Kiste, schließ Dachluken und Fenster und prüf, ob die Kühlschranktür eingerastet ist. Alles, was nicht gesichert ist, rutscht spätestens im ersten Kreisverkehr durch die Gegend. Kontrollier außerdem, ob die Trittstufe eingefahren ist (falls der Van eine elektrische hat) und ob das Stromkabel abgesteckt ist.

Plan deine Etappen entspannt

Plane kürzere Fahrtage als mit dem Auto. Viele Neulinge empfinden drei bis vier Stunden Fahrzeit pro Tag als angenehm, mit einer Pause alle paar Stunden. Campervans beschleunigen oft langsamer, fahren sich bei mittlerem Tempo am entspanntesten, und der Verbrauch steigt bei höherer Geschwindigkeit spürbar an. Auf kurvigen Strecken kannst du Parkbuchten nutzen, um schnellere Fahrzeuge vorbeizulassen.

Auch beim Tanken lohnt sich etwas Vorausplanung. Such dir Tankstellen mit großzügiger Zufahrt und prüf die Höhe des Tankstellendachs, bevor du einfährst; Autohöfe und größere Tankstellen an Hauptstraßen sind meist am einfachsten. Vergewissere dich, welchen Kraftstoff der Van braucht, bevor du die Zapfpistole in die Hand nimmst, und tank nach, wenn die Anzeige etwa bei einem Viertel steht – statt auf die Warnleuchte zu warten. Auf dem Land können Tankstellen weit auseinanderliegen.

Und wenn möglich: Teilt euch das Fahren. Bei vielen Vermietern kannst du gegen Gebühr einen zweiten Fahrer eintragen lassen, und wer alle paar Stunden wechselt, bleibt länger frisch. Auch Beifahrer haben einen Job: auf engen Straßen die Spiegel im Blick behalten, nach Höhenschildern Ausschau halten und navigieren, damit sich die Person am Steuer ganz aufs Fahren konzentrieren kann.

Wenn du anhältst, denk daran, dass Parken eine eigene Kunst ist. Unser Ratgeber Campervan parken erklärt Rückwärtsfahren, Parkplätze und wo du übernachten darfst.